Körperpflege

Durch die Krebsbehandlung kann es zu einer Reihe von körperlichen Veränderungen kommen. Einige davon sind besonders bei Frauen gefürchtet, beispielsweise das Ausfallen der Haare. Um Sie auf mögliche Veränderungen vorzubereiten und besonders um Ihnen zu zeigen, wie Sie im Falle eines Eintretens mit diesen umgehen können, werden im Anschluss einige der häufigsten Nebenwirkungen aufgelistet. Denken Sie daran: Nicht jede Nebenwirkung muss eintreten und wenn doch, auch nicht mit voller Stärke!

Haare

Wie bereits erwähnt, macht besonders der befürchtete Haarverlust Frauen zu schaffen. Einige der in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) wirken besonders auf schnell wachsende und sich häufig teilende Zellen. Dazu gehören nicht nur Krebszellen, sondern eben auch Haarwurzelzellen. Neben dem Kopfhaar können auch die Gesichtsbehaarung (Augenbrauen, Wimpern, Bart), die Behaarung der Arme, Beine, Achseln und der Scham sowie des ganzen Rumpfes können betroffen sein. Greifen die Medikamente in den Wachstumszyklus der Haarwurzelzellen ein, ist mit einem Haarausfall nach ungefähr zwei bis vier Wochen zu rechnen. Manchmal brechen geschädigte Haare auch dicht über der Kopfhaut ab. Nach Beendigung der Therapie wachsen die Haare innerhalb weniger Monate wieder nach.

Der Haarverlust kann, muss aber nicht eintreten. Tritt er ein, dann nur temporär. Es ist also im Normalfall kein dauerhafter Haarverlust zu befürchten. Ob die Haare ausgehen, wie stark der Verlust ist und welche Haare betroffen sind, hängt vom Zytostatika-Typ sowie von der Dosierung und der Veranlagung der Patientin ab. Womit man als Patientin zu rechnen hat, kann der behandelnde Arzt zwar nicht mit Sicherheit, aber aufgrund der Erfahrung zumindest ansatzweise vorhersagen.

Ärzte haben die Möglichkeit, Perücken zu verschreiben, die dann zumindest zum Teil von der Krankenkasse übernommen werden. In welchem Umfang die Kosten übernommen werden, ist mit der jeweiligen Kasse zu klären. Die Perücke sollte schon vor dem Verlust der Haare besorgt werden, um sich bei der Auswahl einer stimmigen Perücke Zeit lassen zu können. Wichtig ist, dass man sich mit der Perücke wohlfühlt. Dafür ist es notwendig, den Haarersatz in einem Fachgeschäft auf Tragekomfort und Stimmigkeit hin zu probieren.
Auch das Tragen von Tüchern, Mützen oder Hauben hat in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen. Mit diesen Accessoires lassen sich tolle Looks kreieren. Unter dem Menüpunkt Links finden Sie Anleitungen zum Binden von Tüchern. Falls bei einigen Styling-Variationen die Haare der Frauen zu sehen sind, können Sie die Looks auch so umfunktionieren, dass Sie bei schütterem Haar oder auch bei einer Glatze getragen werden können. Dazu können Sie entweder ein zweites Tuch oder eine leichte Haube unter dem eigentlichen Tuch tragen.

Haut

Die Haut wird bei der Krebsbehandlung - je nach Art der Therapie - auf verschiedene Arten strapaziert oder geschädigt.

Bei Operationen entstehen Wunden, die in den ersten ein bis zwei Wochen mithilfe von Klammern oder Fäden zusammengehalten werden. Wie die Wundpflege am besten durchzuführen ist, sollte immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Generell ist eine Belastung der Wunde sowie eine Bestrahlung durch Sonne zu vermeiden. Wie schnell und problemlos die Wunde verheilt, hängt von der Wundheilung des Patienten sowie von der Körperregion ab, in der sich die Wunde befindet. Es können auch Wunden aufgrund eines künstlichen Darmausgangs vorhanden sein. Der Umgang mit diesem ist ebenso mit dem Arzt zu besprechen.

Haut und Schleimhautzellen gehören ebenfalls zu den schnell wachsenden Zellen, die von den Zytostatika am Wachstum gehindert werden. Die Veränderung der Zellen kann sich durch Juckreiz, Rötungen oder ein Spannungsgefühl der Haut bemerkbar machen. Die Haut ist trockener und durch die Schädigung der Haut neigt sie stärker zu Infektionen wie Herpes-Viren, Pilzen oder Bakterien. Eine mögliche Infektion mit Herpes-Viren lässt sich durch spannende, juckende, kribbelnde Haut und die Bildung von kleinen Bläschen erkennen. Pilzinfektionen zeigen sich durch leicht gerötete und juckende Haut, die in manchen Regionen schuppig sein oder nässende Bläschen gebildet haben kann. Rötungen und besonders warme Hautstellen können auf eine bakterielle Infektion hindeuten. In manchen Fällen können auch Veränderungen der Pigmentierung und Allergien auftreten. Auch schmerzhafte Veränderungen an Handinnenflächen und Fußsohlen sowie Entzündungen des Nagelbettes können entstehen. Aus diesem Grund sollte bei jeder Veränderung der Haut der Arzt aufgesucht und zurate gezogen werden, um möglichst gut auf Veränderungen reagieren und behandeln zu können. Spezielle Cremes und Pflegeprodukte können vom Arzt verschrieben oder empfohlen werden, um die Haut zu pflegen und so zu einem höheren Wohlbefinden beizutragen!

Generell können folgende Maßnahmen helfen, mit den Nebenwirkungen umzugehen und Folgeschäden zu vermeiden:

  • die Haut sollte durch Waschen nicht unnötig strapaziert werden, deshalb weder zu oft, noch zu lange waschen
  • lauwarmes Wasser ist am besten, um die Haut nicht zu strapazieren
  • neben der Verwendung der verschriebenen Pflegeprodukte sollte die zusätzliche Pflege der Haut mit Produkten, die nicht verschrieben wurden, mit dem Arzt besprochen werden
  • während der Therapie sollte auf Produkte mit reizenden Inhaltsstoffen verzichtet werden, da die Haut bereits durch die Behandlung geschädigt und so besonders anfällig und empfindlich ist
  • auf die Hygiene im Badezimmer sollte vermehrt geachtet werden, beispielsweise kann es sinnvoll sein, Handtücher besonders oft zu wechseln oder sogar nur einmal zu verwenden, um das Risiko der Keimverschleppung herab zu setzen
  • beim Abtrocknen sollte die Haut trockengetupft und nicht -gerubbelt werden
  • warme Räume mit geringer Luftfeuchtigkeit führen zusätzlich zu einer Austrocknung der Haut und Schleimhäute, weshalb nicht überheizt werden sollte und zusätzlich Luftbefeuchter aufgestellt werden könnten
  • da die Haut durch die Therapie geschädigt ist, muss sie vor Sonnenlicht besonders gut geschützt werden
  • Kleidung und Schuhe, die drücken oder reiben, sollten vermieden werden
  • um die Haut vor Chemikalien zu schützen, sollten bei der Hausarbeit baumwollgefütterte Handschuhe getragen werden

Auch die Schleimhäute werden durch die Chemotherapie angegriffen. Sie trocknen leichter aus, was nicht nur unangenehm ist, sondern auch das Risiko für Infektionen erhöht.  Es kann zu Entzündungen im Bereich von Blase, Darm, After und Vagina kommen. Auch die Sexualität leidet unter dieser Nebenwirkung.

Mundraum

Auch die Schleimhaut im Mund wird durch die Chemotherapie geschädigt. Da es aufgrund dieser Schädigungen oft zu Entzündungen der Mundschleimhaut kommt, sollte, sofern es möglich ist, vor Beginn der Chemotherapie noch ein Besuch beim Zahnarzt eingeplant werden. So können vorhandene Probleme behoben und Infektionsquellen vermindert werden. Der Zahnarzt kann außerdem vorab Tipps zur schonenden und dennoch gründlichen Zahn- und Mundraumpflege geben und vorbeugend Aufbauprodukte (spezielle Cremes, Gels, Gurgellösungen) verschreiben.

Chemotherapien haben nicht nur Entzündungen, sondern auch das Austrocknen der Haut zur Folge. Im Mundraum kommt es häufig zur sogenannten Xerostomie, also zu Mundtrockenheit. Bei Mundtrockenheit sollte generell viel getrunken werden, von zucker-, säurehaltigen Getränken wird aber abgeraten, da der antibakterielle und säureneutralisierende Speichel in sehr geringen Mengen gebildet wird. Lösungen zum Befeuchten und Spülen oder sogenannter "künstlicher Speichel" gegen das unangenehme Gefühl und Folgeschäden an Schleimhaut und Zähnen. Besonders wichtig ist die Mundpflege nach dem Erbrechen, da Magensäure sonst die Zähne angreift und zusätzlich strapaziert. Auch die Lippen sind von der Austrocknung stark betroffen und müssen daher mit fetthaltigen Pflegepräparaten vor dem Austrocknen geschützt werden.

Eine gute Mundhygiene kann helfen, Entzündungen bis zu einem gewissen Grad vorzubeugen bzw. hat sie Einfluss auf die Ausprägung der Entzündung. Auch wenn das Zähneputzen aufgrund der Entzündung schmerzt, sollen die Zähne regelmäßig mit einer weichen Zahnbürste gereinigt werden. Neben einer weichen Bürste wird die Verwendung von milder, mentholfreier Zahncreme und alkoholfreier Mundspülung  empfohlen. Das Gurgeln mit Salzwasser oder Salbeitee kann auch zu einer Minderung des Entzündungsrisikos beitragen.
Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass das Lutschen von Eiswürfeln während der Zytostatika-Infusion die Durchblutung der Mundschleimhaut verringert und so eine geringere Menge des Medikaments durch das Blut zur Mundschleimhaut transportiert werden. Dadurch werden die dort platzierten Zellen von weniger großen Mengen Zytostatika angegriffen.

Von der Entzündung sind meist die Wangeninnenseiten, Zunge und Rachen betroffen. Ob diese Entzündungen auftreten, hängt – wie beim Haarverlust – von der Art der Medikamente, deren Dosis und vom Patienten ab. Erste Anzeichen einer Entzündung stellen ein Brennen im Mund sowie Rötungen und Schwellungen dar. Patientinnen, die bereits vor der Behandlung eine Neigung zu Herpes hatten, sollten besonders auf entstehende Bläschen achten, da diese Herde im Zuge der Behandlung besonders leicht wieder entfachen.

Ist die Mundschleimhaut stark angegriffen, kann es beim Essen und Trinken mitunter zu straken Schmerzen kommen. Gegen Schmerzen helfen Präparate wie  Gele, Sprays oder Spülungen, die lokal schmerzlindernd oder –betäubend wirken.  Bei besonders starken Schmerzen kann es nötig sein, Schmermittel zu nehmen, die nicht nur lokal wirken. Auch können sich schmerzhafte Geschwüre im Mundbereich bilden.

Make-up

Die Krebstherapie hinterlässt, wie bereits beschrieben, Spuren, aufgrund derer sich Patientinnen oft unattraktiv und grauenvoll fühlen. Augenringe, blasse Haut, eingefallene Wangen, spröde Lippen tragen dazu bei, dass die Lebensqualität deutlich eingeschränkt und der Selbstwert oft am Boden ist. Eine Möglichkeit, sich in seiner Haut wohler zu fühlen, stellt das Einsetzen von Make-up dar. Mithilfe einer Kosmetikerin kann man lernen, Augenringe abzudecken, geplatzte Äderchen oder Flecken zu verstecken, ausgefallene Augenbrauen aufzumalen und den Teint frischer wirken zu lassen.

Nicht geschminkt werden sollten frisch bestrahlte Hautareale und Operationsnarben, verletzte und entzündete Hautpartien und herpes-infizierte Stellen. Sollte es passieren, dass Augenbrauen oder Wimpern nicht mehr nachwachsen, kann Permanent-Make-up in Betracht gezogen werden. Dies sollte jedoch zuvor mit dem behandelnden Arzt und optimalerweise mit einem Hautarzt besprochen und geplant werden. Auch kann so vermieden werden, dass Außenstehende auf den ersten Blick über den aktuellen Befindlichkeitszustand bescheid wissen.

Nachwort

Unabhängig davon, welche Schwierigkeiten in Bezug auf das Äußere und den eigenen Körper auftreten: denken Sie immer daran, dass Sie schön und weiblich sein können … wenn auch vielleicht anders als Sie es gewohnt sind. Die Veränderungen können auch eine Chance für Sie sein, sich ganz neu zu entdecken und neue Seiten von sich kennenzulernen!