Krankheitsbewältigung

In den folgenden Abschnitten sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, mit der Krankheit umzugehen und Belastungen zu verarbeiten. Wichtig ist, dass die gegebenen Informationen keinesfalls eine persönliche Unterstützung durch Fachkräfte ersetzten können! Sie dienen lediglich zur Orientierung und stellen ihrerseits keine Garantie für eine Krankheitsbewältigung dar. Denn jeder hat seinen eigenen Bewältigungsstil – den EINEN Weg gibt es nicht!

Diagnose Krebs – was nun?

In den ersten Tagen nach der Diagnose ist es wichtig, sich Zeit zu geben, um mit der neuen Situation umgehen zu können. Es ist wichtig, seine Gefühle zuzulassen und über Befürchtungen zu sprechen. Zwingen Sie sich nicht, sofort nach der Diagnose oder auch nach der Behandlung wieder zu „funktionieren“ … immerhin handelt es sich um eine einschneidende und lebensverändernde Diagnose. Gönnen Sie sich Ruhe, wenn Sie merken, dass Sie diese brauchen und sagen Sie auch klar, deutlich und ehrlich, wenn Ihnen etwas zu viel wird oder Sie etwas nicht möchten. Die Erkrankung und die Behandlung kosten Kraft und Energie und nur Sie selbst sind der Experte für Ihre Empfindungen. Versuchen Sie Ihre Grenzen zu erkennen, zu akzeptieren und zeigen Sie auch anderen, wann Sie das Gefühl haben, diese Grenzen erreicht zu haben. „MAN soll/muss/kann“ ist nicht ausschlaggebend, SIE können entscheiden was Ihnen gut tut, was Sie brauchen, was sie möchten und was nicht.

Um ein mögliches Gefühl von Unsicherheit zu bekämpfen, können Sie - vielleicht auch mit Unterstützung von Vertrauten - Informationen rund um die Erkrankung zusammen zu suchen und Unterstützung durch Ärzte, Krankenhäuser, Krebsberatungsstellen, Psychoonkologen, Selbsthilfegruppen usw. einzuholen.

Mithilfe eines Spezialisten sollte dann eine weitere Behandlung geplant und koordiniert werden. Im Falle von Eierstock- und Gebärmutterkrebs sollten Sie darauf bestehen, an einer Fachklinik behandelt zu werden! Expertise vonseiten der Ärzte ist ein maßgeblicher Prognosefaktor!
Trauen Sie sich, alle Fragen, die Sie zum Thema Krebs haben, zu stellen. Am besten schreiben Sie sich diese auf, sobald sie Ihnen durch den Kopf geistern. Untersuchungsergebnisse sollten in einer eigenen Patientenmappe gesammelt und geordnet werden.

Gesundheitliche Belange stehen an erster Stelle, dennoch sollten Sie auch rechtliche Angelegenheiten klären. Woran zu denken ist, finden Sie unter dem Menüpunkt Rechtliche Aspekte.  Obwohl die Diagnose Krebs von einer Sekunde auf die andere das Leben und den Alltag bestimmt: Vergessen Sie nicht darauf, sich auch etwas Gutes zu tun! Versuchen Sie, trotz der extremen Situation auch an Dinge zu denken und Unternehmungen zu machen, die Ihnen Freude bereiten und mit denen Sie sich wohlfühlen. Sie können versuchen, Rituale und Symbole für sich zu finden, die Ihnen Kraft und Mut geben und Sie stärken, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht.

Das Leben verändert sich

Krebs bedeutet eine Erkrankung, die alle Vorstellungen darüber wer wir sind, wie wir sind und was wir für unsere Zukunft wollen, auf den Kopf stellen. Der weitere Verlauf scheint nicht planbar und mit jedem neuen Tag kann es zu Veränderungen kommen, die es den Betroffenen abverlangen, sich wieder neu zu orientieren. Der bisherige Lebensstil ändert sich, Zukunftsplanung bekommt eine neue Bedeutung, die Wahrnehmung des Selbst und des eigenen Körpers wandelt sich … und das teilweise radikal und meist ohne Vorwarnung und Vorbereitungszeit! Daher ist es wichtig zu versuchen, mit der Erkrankung und dem neuen Selbst als Betroffene möglichst gut umzugehen und Strategien der Anpassung und Bewältigung zu entwickeln.

Die Anpassung wird von Fachleuten als Coping bezeichnet. Anpassung soll erreicht werden, indem bestehende oder erwartete Schwierigkeiten verhindert, verringert oder aber angenommen und akzeptiert werden. Es gibt kein Patentrezept für gelungenes Coping, da einerseits die äußeren Um- und inneren Zustände vor, während und nach der Erkrankung und der Behandlung von Person zu Person verschieden sind und auch die Möglichkeiten der Anpassung zwischen den Betroffenen stark variieren. Je nach Stimmung und Zustand kann das Coping in unterschiedlichen Phasen sogar bei ein und derselben Person anders ausfallen und eine Strategie einmal wirksam sein und ein anderes Mal nicht.

Das Auseinandersetzen mit und Anpassen an die Krankheit, die neue Rolle, den neuen Lebensstil ist Voraussetzung dafür, dass der Betroffene ein Gefühl von Stabilität bekommen und so Kraft und Mut für die Bewältigung der Krankheit gewinnen kann. Studien konnten zeigen, dass Betroffene, die flexibel auf neue Situationen reagieren können, bessere mit der Krankheit umgehen können.

Welche Strategien für wen besonders hilfreich sind, kann mit professioneller Hilfe herausgefunden werden!

Lebensqualität

Das eigene körperliche Befinden, die psychische Verfassung, der Grad an Selbstständigkeit, soziale Beziehungen sowie berufliche Faktoren bestimmen die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität maßgeblich. Auch der Glaube und das Gefühl der Sinnhaftigkeit des Lebens spielen eine Rolle.

Im Falle einer Krebserkrankung kann es zu einer Erschütterung all der genannten Bereiche und so zu einem drastischen Verlust an Lebensqualität kommen. Durch Operationen kommt es zu vorübergehender Bewegungseinschränkungen aufgrund von Wunden. Durch die Chemotherapie kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Erschöpfung kommen. Die Erkrankung und Behandlung kann negative Auswirkungen auf den seelischen Zustand der Betroffenen haben, sei es durch Unsicherheit, Schuldgefühle, Scham, Angst vor dem Tod, oder ähnlichem. Beziehungen werden auf die Probe gestellt und deutlich belastet, Rollen innerhalb von Beziehungen müssen teilweise neu definiert werden. Die Selbstständigkeit ist eingeschränkt und der Alltag vollkommen verändert. Im Arbeitsleben fällt der Erkrankte zumindest vorübergehend aus. Bei dieser Aufzählung handelt es sich nur um einen minimalen Ausschnitt aus dem überquellenden Topf an Veränderungen, die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben können. Eine gute Versorgung von schul- und komplementärmedizinischer, psychologischer, sozialer und rechtlicher Seite kann Patienten dabei unterstützen, Ihre Lebensqualität zu verbessern!

Studien haben ergeben, dass viele Patienten trotz der Diagnose Krebs und der damit verbundenen Einschränkungen mit ihrem Leben zufrieden sind. Wie hoch die Lebensqualität eingeschätzt wird, hängt vor allem davon ab, wie gut oder schlecht es den Patienten gelingt, mit der Krankheit zurechtzukommen. Wenn es Betroffenen gelingt, auch in schlechten Phasen daran zu denken, was sie schon geschafft haben, was trotz der Einschränkungen noch möglich ist oder den Veränderungen vielleicht sogar etwas Positives abgewinnen können, dann kann dies auch zu einem positiven Lebensgefühl beitragen. Auch berichten manche Betroffene, dass sie gerade durch die Erkrankung einen besseren Blick für das bekommen haben, was im Leben wichtig und was weniger wichtig ist. Besonders wichtig für die Verbesserung der Lebensqualität scheint es zu sein, dass die Betroffenen aktiv an ihrer Genesung arbeiten, selbstständig Dinge in die Hand nehmen und ihren Alltag so selbstbestimmt wie möglich gestalten. Freunde, Verwandte und Partner können dabei unterstützen.

Umgang mit Angst und Unsicherheit

Wie bereits im Menüpunkt Psychische Reaktionen festgestellt, ist eine der häufigsten Reaktionen auf die Diagnose Krebs Angst.

Eine Möglichkeit mit Ängsten und Unsicherheit umzugehen, ist das Einholen von Informationen. So können Horrorvorstellungen, die mehr der eigenen Fantasie als der Wirklichkeit entspringen, richtiggestellt werden.
Es kann auch helfen, die Horrorvorstellungen zu Ende zu denken und somit ein Worst-Case-Szenario für sich zu gestalten. Was wäre, wenn das wirklich zutrifft? Was könnte sonst noch alles passieren? Diese Fragen können mit professioneller Hilfe bearbeitet werden. Werden alle Eventualitäten durchgedacht, kann es sein, dass die Unsicherheit aufgrund des Gefühls, alles schon einmal irgendwie bedacht zu haben, abnimmt. Das Ausmalen der Horrorvorstellung und Eventualitäten alleine kann die Unsicherheit und die Ängste bei manchen Betroffenen aber auch steigern, weshalb auch das Finden von Lösungen für verschiedene Situationen notwendig sein kann. Was mache ich, wenn ich mich eine Zeit lang nicht um Beruf und Haushalt kümmern kann? Wie möchte ich mich und meine Liebsten absichern? Die Beantwortung solcher Fragen kann ein Gefühl von Abgesichertheit geben.
Ein anderer Zugang ist das Ausdrücken der Angst durch kreative Tätigkeiten wie Malen, Musizieren, Schreiben, etc. Dies kann befreiend und entspannend wirken.

Entspannung kann aber auch durch körperliche Betätigung oder durch den Einsatz bestimmter Verfahren (siehe Komplementäre Methoden) erzielt werden.

Es kann versucht werden, an andere schwierige Situationen in der Vergangenheit zu denken, die man bereits bemeistert hat, obwohl man auch bei diesen anfangs auch unsicher war, ob man es schaffen wird, diese zu überwinden.

Außerdem kann es hilfereich sein, mit Angehörigen oder Freunden über die Ängste zu sprechen und den aufkommenden Emotionen Raum zu geben. Wichtig ist hierbei, auf seine innere Stimme zu hören. Es kann auch einmal ganz gut tun, nicht über alles zu reden, wenn man die Befürchtung hat, dass ein Gespräch einen nur zusätzlich belasten würde.

Da Krebs häufig mit einer Angst vor der eigenen Sterblichkeit einhergeht, sollten die Themen Streben, Trauer und Abschied auch einen Platz finden. Das Negieren der damit verbundenen Ängste und Befürchtungen macht den Umgang mit diesen Themen nicht einfacher. Im Gegenteil, man wird, bleiben sie unausgesprochen, mit der Bewältigung allein gelassen und sowohl Angehörige, Freunde und Betroffene fühlen sich hilflos.

Auch das Einfordern einer professionellen Unterstützung in Form von Beratern bei Krebsberatungsstellen, Psychologen oder Therapeuten kann überlegt werden. Vielen Betroffenen gibt besonders der Kontakt zu anderen Betroffenen, wie man ihn in Selbsthilfegruppen findet, viel Kraft.

Stimmung

Oft kommt es im Rahmen der Erkrankung zu häufigen Stimmungsschwankungen, die im Alltag zwar auch auftreten, im Falle einer derartigen Belastung, wie sie die Diagnose Krebs darstellt, deutlich verstärkt werden können. Diese plötzlichen, häufigen und manchmal auch starken Veränderungen der Stimmung sind durchaus normal. Gespräche mit Angehörigen oder anderen Betroffenen können manchmal helfen, mit diesen Schwankungen besser umzugehen. Sollten sie den Alltag zu sehr dominieren und belasten, kann auch professionelle Hilfe hinzugezogen werden.

Fatigue

Vielen Krebspatienten leiden unter einer quälenden und lähmenden Müdigkeit, die als Fatigue bezeichnet wird. Sie ist gekennzeichnet durch Schwäche, Energielosigkeit bis hin zur Erschöpfung, Schweregefühle in den Gliedmaßen, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, fehlende Motivation aber auch Frustration, Reizbarkeit und depressive Verstimmtheit. Dadurch wird sowohl das körperliche als auch das emotionale Empfinden negativ beeinträchtigt. Fatigue entsteht häufig durch Blutarmut und tritt am stärksten während Chemo- und Strahlentherapie auf. Ein ausgewogener Lebensstil mit gesunder Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf kann helfen, das Ausmaß der Müdigkeit zu verringern. Durch ärztliche und psychologische Unterstützung können Sie für sich passende Maßnahmen gegen Fatigue finden.

Scham und Schuld

Manche Patienten schämen sich aufgrund ihrer Erkrankung und versuchen diese vor Bekannten, aber auch vor Verwandten und Freunden zu verheimlichen. Die führt manchmal zu einem Rückzug und zur sozialen Isolation. Dabei würden gerade Gespräche über das eigene Empfinden dazu beitragen, dass man sich erleichtert fühlt und auch die Möglichkeit bekommt zu sehen, dass die Erkrankung nichts ist, wofür man sich schämen muss und das andere Personen Verständnis für die schwierige Situation haben.
Auch Schuldgefühle können sich breitmachen. Manche Patienten fragen sich, was sie falsch gemacht haben, dass sie mit so einer Krankheit „bestraft“ werden oder ob sie die Krankheit hätten verhindern können, wenn sie etwas anders gelebt oder mehr auf sich geschaut hätten. Diese Schuldgefühle sind zumeist in ihrer Ausprägung völlig unbegründet und belasten die Betroffenen zusätzlich. Wichtig ist, sich immer wieder klar zu machen, dass Krebs jeden treffen kann und man selbst nicht schuld an der Entstehung sein kann! Die Bearbeitung der Schuldgefühle ist wichtig, da diese Patienten so lähmen können, dass sie keinen Mut und keine Kraft für ihre Behandlung fassen können. Schuldgefühle gehören genauso ausgesprochen und verarbeitet wie Scham, Angst, Unsicherheit, usw., entweder in Gesprächen mit nahestehenden Personen oder auch mit Fachpersonal.

Glaube

Der eigene Glaube kann Kraft geben, mit den Anforderungen umzugehen. Egal ob es sich um einen Glauben an einen Gott, an die eigene Kraft, an das Überwinden von Hindernissen handelt, er kann helfen, sich einer schwierigen Situation zu stellen und immer wieder neue Kraft und neuen Mut zu schöpfen.

Beziehungen

Eine bereits erwähnte Hürde stellen die Veränderungen innerhalb von Beziehungen, aber auch die Veränderung der eigenen Rolle in einer Beziehung dar. Das Leben verändert sich durch die Diagnose nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Partner, Kinder, Eltern, nahen Verwandten und engen Freunde. Einerseits, weil Letztgenannte auch Angst, Unsicherheit und Verzweiflung empfinden, andererseits, weil die Beziehungen an sich dadurch verändert werden, dass die Betroffenen ihre ursprünglichen Rollen nicht mehr übernehmen können, sich vielleicht auch zurückziehen, sich durch die körperliche Belastung äußerlich und durch die seelische innerlich verändern und vieles mehr.

Viele Angehörige verspüren den Wunsch zu helfen, wissen aber nicht wie. Auch Betroffene können den Wunsch nach Hilfe verspüren, andere wollen einfach ihre Ruhe und würden die Angehörigen gerne so wenig wie möglich belasten. Dass es hierbei zu Unsicherheiten, Reibungspunkten und Enttäuschungen kommen kann, liegt auf der Hand. Um unangenehme Situationen zu vermeiden, kann es hilfereich sein, wenn die Betroffenen sagen, was sie wollen und brauchen, worüber sie reden und wann sie ihre Ruhe haben möchten. Haben Sie als Betroffene den Mut, Dinge offen an- und auszusprechen – Ihre Umgebung traut sich dies oft nicht. Angehörige können direkt fragen, was die Betroffenen brauchen und wie sie sie am besten unterstützen können. Es ist nicht immer wichtig, alles richtig zu machen und das Richtige zu sagen. Viel wichtiger ist es, da zu sein und Anteilnahme zu zeigen und den Betroffenen dazu ermutigen, selbstbestimmt gegen die Erkrankung anzukämpfen. Offene Gespräche machen es möglich, sich gegenseitig besser zu verstehen. Wenn Angehörige mit der Situation überfordert sind, kann es nötig sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wie sehr sich eine Beziehung verändert, hängt vor allem davon ab, wie die Beziehung und deren Muster vor der Erkrankung ausgesehen haben. Haben die Beteiligten Erfahrungen mit dem Thema Krebs oder schwerer Krankheit? Wie sehr waren offene Gespräche über Befindlichkeit, Gefühle und Gedanken in den Alltag der Betroffenen und Angehörigen eingebaut? In der Paarbeziehung: Wie sehr können Partner ihre Bedürfnisse nach Nähe und Sexualität ausdrücken? Haben Angehörige schon vor der Erkrankung gelernt, mit vorübergehender Ablehnung durch Rückzug umzugehen? Wie gut konnten die Beteiligten in der Vergangenheit mit Veränderungen und Neudefinitionen von Zukunftsplanung, Rollen und Beziehungsmustern umgehen? Sind die Betroffenen und Angehörigen daran gewöhnt, sich auch mal für einige Zeit nicht zu sehen?

Die Diagnose Krebs kann es zwar manchmal notwendig machen, Beziehungen neu zu definieren, dennoch können Beziehungen auch gerade durch diese Herausforderung wachsen. Wichtig ist neben dem Versuch der gemeinsamen Bewältigung aber auch, dem Thema Krebs nicht mehr Raum zu geben, als es braucht und diesen nicht den alleinigen Lebensmittelpunkt einnehmen zu lassen. Angehörige können dabei helfen, dass auch Dinge des „normalen“, also des bisher gewohnten Lebens, Platz im Alltag der Betroffenen finden. Sei es durch das Mitbringen einer gern gelesen Zeitung, eines Sudokuheftchens, dem Lieblingspullover, Fotos vom letzten Urlaub ins Krankenhaus oder durch einen gemeinsamen Spaziergang und andere Aktivitäten, die Freude in das Leben der Krebspatienten bringen.

Damit Angehörige ihre Liebsten unterstützen können, müssen sie sich aber auch immer wieder selbst eine Auszeit gönnen, um wieder Kraft zu tanken und im Leben außerhalb des Krebs verankert zu bleiben. Manchmal kann auch die Aussprache mit anderen Angehörigen in einer Selbsthilfegruppe oder das Aufsuchen eines Psychologen oder Therapeuten helfen, eigene Ängste und Unsicherheiten zu verarbeiten und Belastungen zu bewältigen. Besonders wenn es sich bei den Angehörigen um Kinder handelt, ist es ratsam, wenn diese professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.

Weiblichkeit und Sexualität

Die körperlichen Veränderungen aufgrund der Erkrankung und vor allem aufgrund der Therapien können dazu führen, dass sich Krebspatienten in ihrem Körper nicht mehr so wohl fühlen und sich deshalb auch nicht immer Lust auf Zärtlichkeiten haben. Bei manchen Patientinnen, die noch nicht in der Menopause sind, kommt es nach einer Entfernung der Eierstöcke zu einem plötzlichen Einsetzen der Wechseljahre. Dies bedeutet für viele Frauen eine Veränderung der eigenen Weiblichkeit und ein verändertes Körperempfinden. Eine Auseinandersetzung damit ist unabdinglich. Auch kann das Aussehen der Frauen durch die Therapien deutlich verändert werden. Es kann zu Gewichtsverlust, trockener und fahler Haut, Haarverlust kommen und durch Operationen entstehen Narben. Auch wenn die wenigsten Veränderungen von Dauer sind, belasten diese die Patientinnen zum aktuellen Zeitpunkt teilweise massiv. Oft dauert es lange an, bis Betroffene sich mit dem neuen Selbst angefreundet haben und manchmal wird auch professionelle Hilfe benötigt, um eine positive Beziehung zu seinem Aussehen zu erarbeiten.

Sexualität spielt auch im Laufe der Erkrankung eine wichtige Rolle. Nicht nur für die Betroffenen, auch für deren Partner bleibt der Wunsch nach Sexualität und Zärtlichkeit oft verwehrt. Durch die Erkrankung und deren physischen und psychischen Begleiterscheinungen kann es sein, dass die Lust auf körperliche Liebe und Zuwendung manchmal einfach nicht vorhanden ist. Durch Nebenwirkungen mancher Krebsbehandlungen kann es zu einer Austrocknung der Schleimhäute der Scheide kommen, was dazu führen kann, dass das Eindringen eines Penis mit Schmerzen verbunden ist. Auch die seelischen Belastungen mindern die Lust auf Sexualität zeitweise oder führen sogar dazu, dass die Lust auf Intimität und Sex gänzlich verschwindet. Es kann sein, dass sich der Umgang mit Sexualität durch die Erkrankung verändert und dass Sexualität unter Umständen nicht mehr so gelebt werden kann wie vor der Erkrankung. Es kann also zu Veränderungen in der Sexualität kommen. Wie Betroffene und ihre Partner damit am besten umgehen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Wichtig ist, über seine Empfindungen zu sprechen, dem Thema Sexualität Raum zu geben und auch offen für Neudefinitionen in Bezug auf Sexualität zu sein.

Ressourcenarbeit

Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse ist es wichtig, auch positive Aspekte des Lebens im Auge zu behalten. Wie bereits beschrieben, ist das Anpassen an die neue Rolle, die Anforderungen und Veränderungen maßgeblich für die Lebensqualität. Führen Sie sich immer wieder vor Augen, was Sie trotz der durch die Krankheit vorgeschriebenen Einschränkungen können und versuchen Sie, Ihre eigenen Ressourcen zu aktivieren und ihre Stärken so einzusetzen, dass Sie sich so oft es geht wohl fühlen.