Psychische Reaktionen

Die Diagnose Krebs ist in der Regel für die Betroffenen und auch für die Angehörigen ein Schock und ein tiefer Einschnitt in das gewohnte, alltägliche Leben. Gedanken, Fragen oder auch vollkommene Leere können sich breitmachen und Chaos schaffen.

Diagnose Krebs: meist wird damit der Tod in Verbindung gebracht und kann bei dem Betroffenen Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit auslösen. Das ganze Leben scheint sich von einem Augenblick auf den anderen schlagartig zu verändern und sowohl das Privat- als auch das Berufsleben wirken völlig auf den Kopf gestellt. Das durch die Diagnose entstehende Chaos drückt sich auf vielfältige Weise aus, unter anderem dadurch, dass es vielen Patienten kurz nach der Diagnosestellung sehr schwer fällt, sich zu konzentrieren und sich Dinge zu merken. Antworten auf Fragen, die sie Ärzten, Pflegern, Verwandten stellen, scheinen von einer Sekunde auf die andere wieder gelöscht zu sein. Solche kognitiven Schwierigkeiten sind kein Grund sich zu schämen. Haben Sie etwas vergessen oder nicht verstanden, fragen Sie einfach nach und notieren Sie sich Dinge, damit Sie dem Vergessen und dem Chaos ein wenig entgegenwirken können.

Die Diagnose Krebs kann Angst erzeugen und tut das in den meisten Fällen auch. Angst ist eine ganz normale Reaktion auf Bedrohung. Und da eine Krebserkrankung häufig mit dem eigenen Tod in Verbindung gebracht wird, stellt die Diagnose auch eine solche dar. Unangenehmen Vorstellungen und Vorahnungen bezüglich der Krankheit an sich und der Nebenwirkungen infolge der Behandlung können Angst machen. DieAuswirkungen auf das alltägliche Leben, Veränderungen im Beruf und in Beziehungen führen meist zu Gefühlen der Unsicherheit. Wovor Menschen Angst haben, hängt unter anderem von persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen ab.

Wie bereits erwähnt, ist Angst eine normale Reaktion auf eine derartig lebensverändernde Diagnose, wie es die Diagnose Krebs darstellt.  Wenn diese Ängste aber Oberhand gewinnen und somit zu einer zusätzlichen Belastung werden, sollte Hilfe von außen zugezogen werden.

Angst und Unsicherheit können aber ebenso den positiven Effekt haben, dass Betroffene mehr auf ihren Körper und ihre Psyche achtgeben, als sie dies normalerweise tun würden oder in der Vergangenheit getan haben.

Auch nach einer Behandlung kann erneut Angst entstehen. Eine der häufigsten Ängste ist die sogenannte Rezidivangst, also die Angst vor einer Wiedererkrankung. Sobald diese zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt, sollte auch hier professionelle Unterstützung angedacht werden.

Im Laufe der Erkrankung können auch negative Gefühle wie Wut, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit, Enttäuschung, Trauer, Scham und Schuldgefühle auftreten. Diese Emotionen stellen eine Reaktion auf die mit der Krankheit verbundenen Veränderungen und Schwierigkeiten dar. Oftmals fühlen sich Patienten aufgrund ihrer körperlichen, beruflichen und sozialen Einschränkungen minderwertig und nutzlos.
Doch auch das Gefühl der Hoffnung kann bei Betroffenen aufkommen und ihnen Kraft und Zuversicht für die bevorstehenden Veränderungen geben!

Auch berichten viele Betroffene - so eigenartig dies vielleicht klingen mag – dass sie die Erkrankung als positiv erlebt haben, da durch sie ein neues Lebensgefühl entstanden sei. Was wichtig und was unwichtig ist, scheint leichter erkennbar zu sein und in einem neuen Licht betrachtet zu werden. Prioritäten im Leben werden neu geordnet. Auch wird der Krebs von manchen Betroffenen als Chance, Herausforderung und Entwicklungsmöglichkeit bezeichnet. Sie berichten davon, dass die Erkrankung als Reifungsprozess angesehen werden kann, der zu mehr Toleranz, einer bereits erwähnten Umverteilung der Wichtigkeit und einem neuen Gefühl für Zeit und ihrer Nutzung geführt hat. Die Veränderung kann aktiv gestaltet und zu der Entdeckung eines neuen Selbst führen. Auch berichten Betroffene davon, dass die Erkrankung ihnen sogar Freude über die kleinen Dinge im Leben und Dankbarkeit für diese (zurück)gebracht hat.