Eierstockkrebs

Vorwort

Bitte bedenken Sie, dass es sich bei den Informationen um ALLGEMEINE INFORMATIONEN handelt und diese nicht eins zu eins auf Sie übertragbar sein müssen. Vor allem Prognosen und Nebenwirkungen können, müssen aber nicht auf Sie zutreffen. Jede Erkrankung hat ihren INDIVIDUELLEN Verlauf!

Welche Therapien und Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie hängt davon ab, wie weit das Ovarialkarzinom fortgeschritten ist, ob es sich bereits im Bauchraum ausgebreitet hat und ob weitere Organe betroffen sind. Eine Operation stellt selbst bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom die wichtigste Behandlungsmaßnahme dar. Dabei müssen der Tumor und seine Absiedelungen so vollständig wie möglich entfernt werden. In Abhängigkeit vom Tumorstadium müssen dazu beide Eierstöcke, die Eileiter, die Gebärmutter, das große Bauchnetz und evtl. auch die Lymphknoten im kleinen Becken und entlang der großen Bauchgefäße entfernt werden. Bei darmübergreifenden Prozessen werden auch Teile des Darms entfernt. Manchmal ist ein künstlicher Darmausgang notwendig.

Nach der Operation folgt gewöhnlich eine ambulante Chemotherapie, um noch vorhandene Krebszellen zu eliminieren. Sie wirkt im ganzen Körper und erreicht auch Tumorzellen, die sich möglicherweise weiter entfernt vom Ursprungstumor eingenistet haben. Im Frühstadium (FIGO IA, Grad 1) kann auf eine solche verzichtet werden. Die Chemotherapie dauert etwa ein halbes Jahr. Zwischen den einzelnen Behandlungszyklen liegen mehrere Wochen Pause, damit sich der Körper von der Therapie erholen kann.

Für Patientinnen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium stehen zudem zielgerichtete Therapien zur Verfügung wie beispielsweise ein Angiogenesehemmer oder PARP-Inhibitoren.

Wenn eine chirurgische Behandlung aufgrund des Allgemeinzustandes der Patientin oder auch aufgrund des weit fortgeschrittenen Tumorstadiums als zu riskant für die betroffene Patientin eingeschätzt wird, kann eine neoadjuvante Chemotherapie (Chemotherapie vor der Erstoperation) den Tumor verkleinern und so eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen.

Wie laufen diese ab?

Die Operation erfolgt unter Vollnarkose per längs Bauchschnitt und dauert meist mehrere Stunden. Wie bereits erwähnt, umfasst die Operation die Entfernung der Eierstöcke und Eileiter, der Gebärmutter, des großen Bauchnetzes sowie der  Lymphknoten im kleinen Becken und entlang der großen Bauchgefäße und manchmal auch Teilen des Darms. Die Radikalität der Tumorreduktion bestimmt als einziger beeinflussbarer Prognosefaktor maßgeblich die Heilungsaussichten. Da der Eingriff kompliziert ist, sollte er unbedingt von Experten durchgeführt werden.

Bei der Chemotherapie erhält die Patientin per Infusion eine Reihe von Medikamenten, wobei meist ein platinhaltiges Zytostatikum in Kombination mit einem Taxan (natürlich vorkommender Stoffe, der das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmt) zur Anwendung kommt. Die verwendeten Chemotherapeutika sind Medikamente, die das Krebswachstum entweder aufhalten oder verlangsamen. Sie reagieren also auf aktiv wachsende Zellen. Bei einem Erwachsenen sind die normalen Zellen üblicherweise nicht aktiv wachsend, aus diesem Grunde werden sie von der Chemotherapie nicht angegriffen. Ausnahmen dafür sind das Knochenmark, die Haare und die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts, weshalb es hier meist zu therapierbaren Nebenwirkungen kommen kann.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen?

Kein ärztlicher Eingriff ist völlig frei von Risiken. Folgen der Operation können Blutungen, Nachblutungen, Lymphozelen, Thrombosen, Embolien, Infektionen und Wundheilungsstörungen sein. Wenn aufgrund des fortgeschrittenen Tumorstadiums Teile des Darms entfernt werden müssen, ist es eventuell nötig, für einige Zeit/Monate einen künstlichen Darmausgang anzulegen.

Erkranken gebärfähige Frauen an Eierstockkrebs, versetzt die Operation sie in die Wechseljahre. Als Folge treten typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen auf.

Die Chemotherapie ist heute viel besser verträglich als früher. Zu Chemotherapie assoziierten Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Haarausfall. Ebenso kommt es zu stärkerer Anfälligkeit für Infektionen.

Was kann ich gegen Nebenwirkungen tun?

Am wichtigsten während einer kräftezehrenden Behandlung ist es, die Lebensqualität der Patientinnen zu erhöhen. Dies kann durch die Linderung von Symptomen, die Behandlung von Schmerzen sowie die Minderung von Nebenwirkungen geschehen.

Nebenwirkungen verschwinden einige Zeit nach der Chemotherapie normalerweise von selbst und sind generell gut mit Medikamenten behandelbar. Auch durch eine angepasste Ernährung kann den Nebenwirkungen entgegengewirkt werden (siehe Ernährung und Krebs).

Bei übermäßiger Müdigkeit und Erschöpfung sollten Sie sich viel Ruhe gönnen, um Kraft tanken zu können. Zu viel Schlaf sollte allerdings vermieden werden, da das die Müdigkeit verstärken kann. Es ist also wichtig, die richtige Balance zwischen Ruhe und Aktivität für sich zu finden. Planen Sie wichtige Tagespunkte und versuchen Sie diese einzuhalten. Beschäftigen Sie sich mit Tätigkeiten, die Ihnen Freude machen, und versuchen sie trotz der Beschwerden den Kontakt mit nahestehenden Personen aufrecht zu erhalten.

Sollten Sie Schmerzen haben, informieren Sie immer Ihren behandelnden Arzt! Dieser kann im besten Fall die Ursache für den Schmerz feststellen und gezielt gegen diesen vorgehen. Wenn Sie es aufgrund der Erkrankung bzw. Operation in die Wechseljahre kommen, so helfen Bewegung, gesunde Ernährung, wenig Alkohol, Kaffee sowie der Verzicht auf das Rauchen bei vielen Symptomen der Wechseljahre weiter. Im Alltag sollte darauf geachtet werden, ob spezifische Situationen o.ä. Hitzewallungen auslösen oder verstärken. Diese können dann vermieden oder zumindest vermindert werden.

Gute Möglichkeiten, mit Nebenwirkungen umzugehen, bieten komplementäre Methoden, von denen ein paar im Unterpunkt Wissenswertes vorgestellt werden. Auch psychologische Unterstützung - beispielsweise in Form von Entspannungstraining und Gesprächen - kann dabei helfen, sich wohler zu fühlen und besser mit Nebenwirkungen der Krankheit bzw. der Therapie umzugehen.

Auch Selbsthilfegruppen können helfen, um mit den Nebenwirkungen besser klarzukommen. In solchen Gruppen kann über den Umgang mit der Diagnose und der Krankheit sowie über die damit verbundenen Einschränkungen, Ängsten, Nebenwirkungen gesprochen und Erfahrung ausgetauscht werden, die einem selbst möglicherweise weiterhelfen.

Prognose

Eine Reihe von Faktoren beeinflusst den Erfolg der Behandlung bzw. die Prognose von Patientinnen mit Ovarialkarzinom. Die Behandlung scheint erfolgreicher zu sein, wenn die Krankheit in einem Frühstadium diagnostiziert wird. Einer der wichtigsten Prognosefaktoren ist die Größe des nach der Operation verbliebenen Tumorrestes im Unterleib.

Nachsorge

Am Ende der Erstbehandlung, welche aus Operation und Chemotherapie besteht, wird eine Evaluierung mittels gynäkologischer Untersuchung, Computertomographie (CT) und Tumormarkerbestimmung durchgeführt. Selbst wenn bei dieser Durchuntersuchung kein Hinweis auf ein Krebsgeschehen vorliegt, heißt dies nicht, dass die Erkrankung nicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausbrechen kann. Daher sind regelmäßige Nachsorgekontrollen beim Frauenarzt sehr wichtig.

Rezidiv

Ein Rezidiv, also ein Wiederauftreten der Erkrankung, kann durch das Auftreten krankheitsassoziierter Symptome oder durch auffällige bildgebende Untersuchungen festgestellt werden.

Wird ein Rezidiv festgestellt, wird eine second line Chemotherapie begonnen. Die Wahl des bei der Chemotherapie eingesetzten Medikaments hängt davon ab, wie gut und wie lange die jeweilige Patientin auf die Primärbehandlung angesprochen hat. Falls die Behandlung gut angesprochen hat und die Patientin zumindest für sechs Monate nach Abschluss der Erstbehandlung tumorfrei war, kann dieselbe Behandlung noch einmal durchgeführt werden. Falls es früher zu einem Rezidiv kommt, wird in den meisten Fällen ein anderes Chemotherapeutikum gewählt.

In manchen Fällen bleibt das Rezidiv lokal begrenzt. In dieser Situation kann eine chirurgische Behandlung erwogen werden.