Gebärmutterkrebs

Vorwort

Bitte bedenken Sie, dass es sich bei den Informationen um ALLGEMEINE INFORMATIONEN handelt und diese nicht eins zu eins auf Sie übertragbar sein müssen. Vor allem Prognosen und Nebenwirkungen können, müssen aber nicht auf Sie zutreffen. Jede Erkrankung hat ihren INDIVIDUELLEN Verlauf!

Gebärmutterkrebs – was ist das?

 

Der Gebärmutterkrebs (Uteruskarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Gebärmutter. Aufgrund der Lokalisation werden folgende Formen unterschieden:

  • Zervixkarzinom: Karzinom des Gebärmutterhalses (auch Kollumkarzinom)
  • Korpuskarzinom: Karzinom des Gebärmutterkörpers, der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom)

Gebärmutterhalskrebs

Der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist ein bösartiger Tumor des Gebärmutterhalses (Cervix uteri) und ist weltweit der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen. In 80 % handelt es sich dabei um ein Plattenepithelkarzinom, deutlich seltener findet man ein Adenokarzinom (5 bis 15%).

Gebärmutterkörperkrebs

Bei Gebärmutterkörperkrebs handelt es sich um eine bösartige Neubildung des Gebärmutterkörpers. Am häufigsten sind Frauen nach den Wechseljahren davon betroffen. Tumoren, die in der Schleimhaut des Uterus entstehen, sind die häufigste Form (über 90 Prozent) des Gebärmutterkörperkrebses. Es gibt aber auch andere, seltenere Krebsformen, die ihren Ursprung in der Muskelschicht des Uterus haben (Uterussarkome).

Epidemiologie

Gebärmutterhalskrebs

Der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) ist weltweit der zweithäufigste bösartige Tumor bei Frauen.
Die meisten Krebsvorstufen und Frühstadien finden sich bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, allerdings können diese schon bei 20- bis 30-jährigen Patientinnen auftreten. Frauen zwischen 35 und 55 Jahren sind am häufigsten von Gebärmutterhalskrebs betroffen. Das mittlere Alter bei der Erstdiagnose des Zervixkarzinoms sank in den letzten 25 Jahren um 14 Jahre und liegt derzeit bei etwa 52 Jahren. In der Altersverteilung findet man einen Gipfel zwischen dem 35. und 54. Lebensjahr sowie einen weiteren Anstieg ab dem 65. Lebensjahr.
In Österreich werden jährlich ungefähr 900 Fälle von invasiven Zervixkarzinomen diagnostiziert, ungefähr 300 Frauen sterben jährlich an dieser Erkrankung.
In den letzten 50 Jahren kam es zu einer Reduktion der Inzidenz und der Mortalität (Sterblichkeit) am Zervixkarzinom in den entwickelten Ländern. Dies ist hauptsächlich auf Krebsfrüherkennungsprogramme zurückzuführen. Ungefähr 60% aller Frauen, die ein Zervixkarzinom entwickeln, haben entweder nie an einem Krebsvorsorgeprogramm teilgenommen oder wurden die letzten 5 Jahre vor der Krankheitsentstehung nicht untersucht.
Die Erkrankung kann auch in der Schwangerschaft auftreten. Die Häufigkeit beträgt hier 1,2 pro 10.000 Schwangerschaften.

Gebärmutterkörperkrebs

Der Gebärmutterkörperkrebs ist der vierthäufigste bösartige Tumor der Frau. Betroffen sind überwiegend Frauen in den Wechseljahren (Klimakterium), mit einem Altersgipfel zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 68 Jahren. Aber auch jüngere Frauen können betroffen sein. Etwa 20 % der Fälle betreffen prämenopausale Frauen, 4-5 % der Fälle treten bereits vor dem 40. Lebensjahr auf.

Entstehung und Ursachen

Gebärmutterhalskrebs

Die häufigste Ursache von Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit bestimmten Typen des humanen Papillomvirus (HPV). Die Typen 16 und 18 scheinen bei der Entstehung der Mehrheit aller Zervixkarzinome eine Rolle zu spielen. Die Typen 6 und 11 sind für die Entstehung von Genitalwarzen verantwortlich.
Die Infektion mit HP-Viren findet meist im Jugendalter bei Sexualkontakten statt. In den meisten Fällen bekämpft das Immunsystem die Krankheitserreger innerhalb kurzer Zeit. Etwa 70 Prozent der infizierten Patientinnen haben nach zwei Jahren den jeweiligen Virus eliminiert. Allerdings kann es vorkommen, dass der Erreger dem Immunsystem standhält. Bei 2 bis 8 Prozent der HPV-infizierten Frauen kommt es zu Zellveränderungen, die langfristig über Krebsvorstufen schließlich zu Krebs führen. Sind die Viren länger als sechs bis 18 Monate nachweisbar, so spricht man von einer persistierenden Infektion. Eine solche ist nach heutiger Kenntnis Voraussetzung für die virusbedingte Entstehung von Krebs. Liegt eine persistierende Infektion vor, kann innerhalb von 10 bis 20 Jahren nach der eigentlichen Infektion Gebärmutterhalskrebs entstehen. Dieser Zusammenhang erklärt auch, dass Gebärmutterhalskrebs besonders bei Frauen im Alter von 35 bis 40 Jahren festgestellt wird und dass in letzter Zeit auch immer jüngere Frauen betroffen sind, da eine Tendenz zu früherer sexueller Aktivität und einer durchschnittlich größeren Zahl von Sexualpartnern besteht.

Die Erkrankung entsteht über Krebsvorstufen. Diese dysplastischen Zellveränderungen sind durch die Abkürzungen CIN I-III gekennzeichnet (CIN, zervikale intraepitheliale Neoplasie). CIN I und II gelten als rückbildungsfähig. Aus einer CIN III entsteht in mehr als 30% innerhalb von fünf Jahren ein Zervixkarzinom. Unbehandelt kann sich der Tumor ausbreiten, auf Nachbarorgane (Harnblase, Mastdarm, Harnleiter, …) übergreifen und diese zerstören. Folgeerscheinungen eines fortgeschrittenen Karzinoms können Hydronephrose, Nierenstauung oder Lymphödemen der Beine sein. Außerdem kann es zu Absiedelungen (Metastasen) in andere Körperregionen kommen, weil sich Tumorzellen über die Lymph- und Blutgefäße im Körper verteilen.
Nach heutigem Kenntnisstand erhöht sich das Gebärmutterhalskrebsrisiko durch frühen ersten Geschlechtsverkehr, häufigen Wechsel der Sexualpartner, ungeschützten Geschlechtsverkehr und mangelnde Hygiene. Eine Übertragung scheint auch durch andere Arten des Körperkontaktes, beispielsweise durch Kontakt zwischen Händen und Genitalien, möglich. Andere Übertragungswege (Schwimmbad, Toilette, Sauna, …) konnten bislang nicht nachgewiesen werden.

Rauchen stellt einen weiteren Risikofaktor für die Entstehung eines Zervixkarzinoms dar. HPV-Infektionen bestehen bei Raucherinnen länger, weshalb es hier öfter zu persistierenden Infektionen kommen kann.
Des weiteren wird angenommen, dass eine zusätzliche Infektion des Genitalbereichs mit anderen sexuell übertragbaren Erregern (beispielsweise: Chlamydien, Herpes simplex) zur Krebsentstehung beitragen kann, wenn bereits eine Infektion mit Hochrisiko-HPV besteht.

Auch die Langzeiteinnahme von oralen Kontrazeptiva, HIV, der Zustand nach einer Organtransplantation, eine Anamnese von Dysplasien am äußeren Genitale, eine hohe Geburtenanzahl sowie die Suppression des Immunsystems stehen als Risikofaktoren zur Diskussion.

Gebärmutterkörperkrebs

Obwohl die Ursachen von Gebärmutterkörperkrebs nicht eindeutig geklärt sind, gibt es einige Risikofaktoren, die den Krebs begünstigen. Dazu zählt vor allem ein langfristiger Östrogeneinfluss, der durch körpereigene Ursachen wie Übergewicht oder Kinderlosigkeit aber auch durch nicht-körpereigene Ursachen wie beispielsweise eine Östrogenbehandlung ohne Gestagenausgleich verursacht werden kann.

Man nimmt an, dass eine langjährig erhöhte Östrogen-Konzentration die Tumorentstehung fördert. Zu einer solchen erhöhten Östrogen-Konzentration kommt es z. B. bei Frauen mit Zyklusstörungen. Während der Menopause stellt der weibliche Körper die Hormonproduktion um. Das bislang ausgeglichene Verhältnis zwischen Östrogenen und Gestagenen wird umgeworfen, da die Produktion von Gestagen eingestellt wird. Durch dieses Ungleichgewicht kann es passieren, dass die Zellen in der Gebärmutterschleimhaut entarten. Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes mellitus II erhöhen das Tumorrisiko ebenso. Auch eine Hormontherapie ausschließlich mit Östrogenen erhöht das Risiko.


Folgende Faktoren können als Risikofaktoren für die Entstehung eines Korpuskarzinoms angesehen werden:

  • Zunehmendes Alter
  • Übergewicht
  • Längerfristige Einnahme von Östrogenen ohne Gabe von Gestagen
  • frühe Menarche und /oder spät einsetzende Menopause
  • Kinderlosigkeit
  • Diabetes mellitus II
  • Stoffwechselstörung mit Fettleibigkeit (metabolisches Syndrom)
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom), bei dem zahlreiche Eierstockzysten vorliegen und diese zu Unfruchtbarkeit führen können
  • Brustkrebserkrankung
  • Eine seltene Erbkrankheit (Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer Syndrome, kurz HNPCC-Syndrom), die zusammen mit Dickdarmkrebs auftritt

Die Einnahme der Anti-Baby-Pille scheint der Entstehung eines Endometriumkarzinoms entgegenzuwirken. Auch (mehrere) Schwangerschaften und Stillen gelten als Schutzfaktoren.

Symptome

Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs bildet sich in der Regel völlig unauffällig und ohne Schmerzen. Nur gelegentlich können leichte Schmierblutungen auftreten. Symptome treten meist erst dann auf, wenn die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten ist. Dann kommt es zu fleischwasserfarbigem, süßlich riechendem, schleimig-eitrigem Ausfluss, unregelmäßigen, abnormen vaginalen Blutungen und Kontaktblutungen beim Geschlechtsverkehr. Typisch sind auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Schmerzen im Bereich des Beckens. Ist das Karzinom in das umliegende Gewebe eingewachsen, können Darm- oder Blasenbeschwerden wie Druck, blutiger Urin, Blut im Stuhl, Harnwegsinfekte und Rückenschmerzen auftreten. Eine ungewollte und unerklärliche, deutliche Gewichtsabnahme kann ein Anzeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung sein.

Gebärmutterkörperkrebs

Blutungen nach der Menopause (postmenopausale Blutungen) sind das häufigste Symptom von Gebärmutterkörperkrebs. Auch Veränderungen und Abweichungen der gewohnten Blutungsdauer und -stärke vor der Menopause kommen als frühe Anzeichen eines Karzinoms infrage. Wird ein Endometriumkarzinom im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen sehr gut.

Wie beim Zervixkarzinom stellen auch hier Schmerzen im Unterbauchbereich und eine ungewollte und unerklärliche Gewichtsabnahme eher Spätsymptome dar. Alle oben genannten Symptome sollten durch den Gynäkologen abgeklärt werden.

Prävention und Früherkennung

Gebärmutterhalskrebs

Da Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium meist keine Symptome aufweist, ist die jährliche Screening-Untersuchung mittels PAP-Abstrich beim Frauenarzt ab dem 20. Lebensjahr unbedingt notwendig. Durch diese von der Krankenkasse übernommene Untersuchung können schon Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs entdeckt und erfolgreich behandelt werden.

Im Rahmen dieser Untersuchung entnimmt der Arzt mit einem kleinen Bürstchen oder einem Spatel je einen Abstrich vom Muttermund und aus dem Gebärmutterhalskanal. Das abgestrichene Material wird auf einem Glasplättchen ausgestrichen und im Labor untersucht. Es gilt jedoch zu betonen, dass die sog. Falsch-Negativ-Rate (Rate, bei der eine Erkrankung bereits vorliegt und sie der PAP-Abstrich nicht erkennt) bis zu 50% reicht. Dies bedeutet, dass ein einmalig negativer Abstrich nicht mit Sicherheit eine Erkrankung ausschließt. Darum ist es besonders wichtig, regelmäßig zu einer Vorsorgeuntersuchung zu gehen, da so die Krankheitsentstehung zwar nicht verhindert, aber eine entstehende Erkrankung frühzeitig erkannt werden kann. Zusätzlich zur Durchführung eines PAP-Abstrichs kann ein HPV-Test durchgeführt werden. Dieser soll nachweisen, ob eine Frau mit krebsauslösenden Papillomaviren infiziert ist oder nicht. Zusammen mit dem Befund des Abstriches lässt sich das Gebärmutterhalskrebsrisiko besser einschätzen. Sinnvoll ist der Test allerdings erst für Frauen ab dem 30. Lebensjahr, da bei jüngeren Frauen eine Infektion mit humanen Papillomaviren zum einen häufig ist und zum anderen meist von selbst und ohne Folgen abklingt. Ein negatives Ergebnis bedeutet einen weitgehenden Ausschluss des Vorhandenseins einer Gebärmutterhalskrebsvorstufe bzw. eines Gebärmutterhalskrebses durch HP-Viren. 

Unabhängig davon sollte stets ein Arzt aufgesucht werden, wenn Ausfluss aus der Scheide, Blutungen außerhalb der Periode oder Schmerzen im Unterleib bestehen. Auch wenn hinter diesen Symptomen in den meisten Fällen eher eine Entzündung oder hormonelle Störungen stecken, sollten sie dennoch unbedingt abgeklärt werden.
Die Schutzimpfung sollte bereits vor dem ersten Sexualkontakt durchgeführt werden. Zwei Jahre später sind bereits vier von zehn jungen Frauen mit dem Virus infiziert. Zur Immunisierung sind bislang drei Spritzen innerhalb von längstens einem Jahr nötig. Die Impfung verhindert eine Infektion mit den wichtigsten krebsauslösenden humanen Papillomviren (Typ 16 und 18) und kann so die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, der durch diese Virustypen verursacht wird, verhindern. Bereits bestehende Veränderungen der Zellen kann der Impfstoff jedoch nicht beeinflussen. Außerdem wirkt die Impfung auch nicht gegen alle HPV-Typen, weswegen die jährliche Abstrichuntersuchung ab dem Alter von 20 Jahren auch bei geimpften Frauen wichtig bleibt. Auch für Frauen über 17 Jahre kann eine Impfung durchaus sinnvoll sein. Wer noch keinen Sexualkontakt mit einem infizierten Partner hatte, erhält den nötigen Immunschutz. Personen, die bereits eine Infektion mit den Virustypen, gegen die der Impfstoff schützt, durchgemacht haben, können so vor Neuansteckung geschützt werden. Auch geimpfte Frauen sollen die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnehmen, da die HPV-Impfung zwar einen äußerst hohen, dennoch keinen hundertprozentigen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs bietet.

Wie erwähnt werden die humanen Papillomaviren meist beim Geschlechtsverkehr übertragen. Kondome können das Infektionsrisiko zwar senken, sind aber nicht sicher, da die Papillomaviren sich auch in Bereichen aufhalten können, die nicht vom Kondom bedeckt werden.

 

Gebärmutterkörperkrebs

Auch für das Endometriumkarzinom gibt es keine Methode zur Früherkennung (Screening) bei beschwerdefreien Frauen. Deshalb ist es besonders wichtig, bei jeder auffälligen Blutung zum Frauenarzt zu gehen, um diese abzuklären. Das gilt vor allem für Frauen nach den Wechseljahren. Wird der Gebärmutterkörperkrebs frühzeitig erkannt, kann er in der Regel gut behandelt werden.